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Posts Tagged ‘kulturelle Brücken’

Jeder Tourist träumt davon, für die Dauer seines Aufenthalts dazuzugehören, an- und aufgenommen zu werden, vor allem aber, tiefen Einblick in Leben und Gesellschaft der Menschen im Zielland nehmen zu dürfen. Meist fehlt es jedoch an der nötigen Zeit ebenso wie an Sprachkenntnissen.

Betty Kolodzy, Istanbul WalkingIstanbul-Reisende können sich nun von Betty Kolodzy an die Hand nehmen lassen und mit ihr von Begegnung zu Begegnung schlendern, auf der Straße, zum Tee in einem Geschäft, zu ungeheuren Portionen Mantı, den türkischen Ravioli, im Kreis neugieriger Hausfrauen oder etwa zum Backgammon-Spiel im Teegarten bei Onkel Ibrahim, der unversehens weitergehende Ambitionen entwickelt. Kolodzy hat einige Monate in Istanbul verbracht und sich die Zeit und Muße genommen, auf die vielfältigen Melodien der Menschen in der Megalopolis zu hören, schlaglichtartig einzelne Gesichter auf sehr persönliche Weise aus der Menge herauszuheben und die kleinen Episoden, die ihr Tag für Tag widerfuhren, aufzuschreiben. (mehr …)

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“Der Strom der Geschichte schwemmt die kleinen Geschichten der Individuen fort und lässt sie untergehen, die Woge des Vergessens löscht sie aus dem Gedächtnis der Welt. Schreiben bedeutet vor allem auch, am Ufer entlanggehen, stromaufwärts fahren, schiffbrüchige Existenzen auffischen und Strandgut wiederauffinden, das sich an den Ufern verfangen hat, um es zeitweilig auf einer Arche Noah aus Papier unterzubringen …”
So Claudio Magris, Preisträger des Friedenspreises des Börsenvereins des dt. Buchhandels 2009, in seiner Dankesrede am 18. Oktober in der Paulskirche. Die diesjährige Buchmesse stand im Zeichen des Ehrengasts China und der Diskussion über E-Books und die Zukunft gedruckter Bücher. Wird aus der “Arche Noah aus Papier”, wie Magris sie noch postuliert, ein virtuelles Boot im worldwidesea?
Ob der Diskussion mit und über Dissidenten wie auch der Konflikte mit der offiziellen Delegation gingen Inhalte und Protagonisten der zeitgenössischen chinesischen Literatur in Frankfurt ein wenig unter, Werk und Wirken des Friedenspreisträgers Magris gar waren vielfach nur noch eine Randnotiz wert. Er hat sich den Frieden auf die Fahnen geschrieben und tritt für ein neues, offenes Europa ein: “Auf Europa wartet die Aufgabe, sich den neuen Kulturen der neuen Europäer aus der ganzen Welt zu öffnen, die es durch ihre Mannigfaltigkeit bereichern.” Nur so kann es in die Zukunft gehen, für uns alle, die wir lesen, schreiben, übersetzen, kulturelle Brücken bauen … gilt diese Aufforderung in besonderem Maße. “Uns selbst in Frage zu stellen und offen zu werden für den größtmöglichen Dialog mit anderen Wertesystemen”, sagt Magris weiter, vergisst aber auch nicht, eine Grenze – die letzte Grenze – zu ziehen, um ein “winziges, aber präzises und nicht mehr verhandelbares Quantum an Werten … an für immer erworbenen Werten, die nicht mehr zur Diskussion gestellt werden …” Diese Werte gilt es herauszufiltern, auszusieben wie Goldsplitter. Mein Beitrag dazu kann darin liegen, hier Strandgut aus dem Alltag des Lesens, Schreibens und Übersetzens unter die Lupe zu nehmen.

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