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Posts Tagged ‘Istanbul’

Karakaşlı, Dört Kozalak Wenn Prüfungen bevorstehen im türkischen Schulsystem, Prüfungen, die nicht nur über die weitere Bildungskarriere, sondern schier über den weiteren Lebenslauf entscheiden, setzt das Leben für Monate aus. Dann ist nur noch Lernen angesagt, mit Privatlehrern und Lerninstituten, das ist Ausnahmezustand für die ganze Familie. Und wird für viele Jugendliche zum Horror. Die armenisch-türkische Autorin Karin Karakaşlı bringt in ihrem zweiten Jugendroman Dört Kozalak (Vier Tannenzapfen, 2014), jüngst zum Jugendbuch des Jahres 2014 gewählt, zwei Mädchen, zwei Jungen und zwei Lehrer zusammen, um im Prüfungsmarathon zu bestehen. Der Autorin und Lehrer Osman liegt dabei besonders am Herzen, dass die vier Jugendlichen, die einen Teil des Istanbuler multikulturellen Mosaiks repräsentieren, einen respekt- und liebevollen Umgang miteinander entwickeln. (mehr …)

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Hayko Bagdat, Salyangoz (Inkilâp 2014)Schreibt neue Texte anstelle derer, die ihr unzulänglich findet! Organisiert neue Aktionen anstelle derer, deren Form euch nicht gefällt!“ Nicht Opfer sein, nicht darauf warten, dass andere handeln, sondern selbst aktiv werden, offen und wahrhaftig sein im Namen der Menschlichkeit – das besticht an Salyangoz (Die Schnecke), dem ersten Buch (2014) von Hayko Bağdat, in dem der armenisch-griechische Publizist uns durch sein Leben und damit über die Landkarte der Diskriminierung und Selbstbehauptung der letzten 40 Jahre in der Türkei führt. Mit Wortmeldungen in Radio, TV und Kolumnen, erinnert sei nur an seinen Aufschrei „Utanç duyuyorum“ (25.07.15, „Ich empfinde Scham!“) nach dem Anschlag von Suruç, wo er das stereotype menschenverachtende Verhalten breiter Kreise anprangerte und einmal mehr die gängigen Community-Grenzen in der türkischen Gesellschaft zu sprengen versuchte, ist Bağdat zu einer Art Gewissen der Nation geworden.

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Menekşe Toprak, Ağıtın Sonu „Aber sicher ist es möglich, das Leben leicht zu nehmen! Was einem zustößt, kann man auch als neuen Weg auffassen, statt als Katastrophe!“ Fatma (37) hat ihren gutdotierten Job in einer internationalen Firma im Ausland verloren und kommt, ausgestattet mit finanziellen Mitteln für mindestens ein Jahr, nach einer Ewigkeit erstmals wieder in die Türkei. Ein wenig auf Jobsuche, mehr aber auf der Suche nach sich selbst und einer erfüllenden Beziehung. Zunächst sitzt sie allerdings wegen Lodos, dem Istanbuler Fön, auf einer der Inseln fest. Menekşe Topraks zweiter Roman Ağıtın Sonu (Das Ende der Klage) ist, so sagt die Autorin, das Produkt intensiver Auseinandersetzung mit dem Leben und den Beziehungen von Frauen und Männern in Ost und West und in einer Metropole wie Istanbul im Besonderen. Das Anfang 2014 erschienene Buch erhielt Ende April 2015 den Duygu-Asena-Romanpreis „Die Frau hat noch immer keinen Namen“* als „ein Text, der eine in der globalen Ökonomie agierende junge Frau aus der Türkei mit all ihren Kämpfen und Sehnsüchten auf ehrliche Weise schildert und die emotionale Dimension der Protagonistin in Harmonie mit dem gesellschaftlichen Kontext gestaltet“ (Begründung der Jury).

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  Ahmet Ümit, Beyoglun'un En Güzel AbisiSilvester, 31. Dezember 2013. Eine nicht allzu unruhige Nacht für die Polizei in Istanbul, bis ein Toter vor einem Nachtklub in Tarlabaşı gemeldet wird … Damit setzt der Doyen der türkischen Kriminalliteratur Ahmet Ümit seinen Helden Hauptkommissar Nevzat mitten hinein in die brodelnde Stadt, in eines der umstrittensten Viertel in Sachen Stadtentwicklung und Immobilienspekulationen der letzten Jahre, in das zwielichtige Milieu von Drogen, Prostitution, verbotenem Glücksspiel und mafiösen Rivalitäten. Beyoğlu’nun En Güzel Abisi (Der beste Patron von Beyoğlu) erscheint zu einer Zeit, da es durchaus heikel erscheint, einen Kommissar als Ich-Erzähler Sympathiewerbung für die türkische Polizei betreiben zu lassen. (mehr …)

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Der türkische Journalist und ausgewiesene Experte für die Entwicklung der islamistischen Strömungen in der Türkei, Ruşen Çakır, veröffentlichte schon 2001 eine kritische politische Biografie Tayyip Erdoğans. In seiner Kolumne in der Tageszeitung Vatan vom 17.06.13 analysierte er dessen vorgeblichen “Sieg” als Niederlage:

Noch am Freitag [14.06.] hatte ich geschrieben: „Ganz offensichtlich will der Ministerpräsident den Widerstand so rasch wie möglich beenden. Möglicherweise gibt es bereits wieder gegen Morgen eine ähnliche Räumungsaktion wie zuvor.“ Als der Ministerpräsident durch sein bis in die Nacht dauerndes Gespräch mit Vertretern der Taksim-Plattform und einer Gruppe Intellektueller am Freitag Signale der Versöhnung gab, schien ich Lügen gestraft. Am Samstag wurden die Barrikaden am Eingang des Gezi-Parks abgebaut und es hieß, man würde bis auf eines auch alle Zelte abbauen. Doch auf der Großkundgebung in Ankara bot Erdoğan dann erneut die Stirn: „Entweder ihr geht da weg oder wir holen euch da raus“, die Stimmung schlug erneut um und es kam zu den bekannten Ereignissen. (mehr …)

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Die türkische Autorin Gaye Boralıoğlu schrieb ihre Glosse Zeit des Aufstands für kitap.radikal.com schon am 11.06. (erschienen am 12.06.2013), jetzt ist sie – leider – wieder brandaktuell. Hier die Übersetzung:

Ich lege den Stift nieder, Worte liegen unter einer Tränengaswolke, ich gehe hinaus, zum Aufstand hin!

Vor drei, vier Jahren bat mich eine junge Frau um ein Interview für eine Doku, die sie über den Putsch von 1980 und die Zeit danach vorbereitete. Wir sprachen darüber, wie es war, in der Zeit nach dem Putsch Frau zu sein, über die Folter, über das Leben im Gefängnis, über den Geist jener Jahre. Am Ende fragte sie mich, was ich mir im Leben noch wünsche. Und ich erwiderte: „Ich möchte einen Aufstand erleben.“

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Die türkische Schriftstellerin Sema Kaygusuz meldete sich am 11.06.2013 in der Tageszeitung RADIKAL mit folgendem Beitrag zum Bürger-Protest in der Türkei zu Wort:

41 Jahre alt bin ich und habe nun zum ersten Mal im Leben ein Land. Dieses Land ist nicht mehr eine Eventualität, sondern eine neue Zukunft, die sich mit dem Widerstand im Gezi-Park manifestiert. Im Gezi-Park geschieht derzeit Einzigartiges. Die markantesten Charakteristika dieses Protestes sind, dass er frei von Hass ist und ohne jede Zerstörungswut. Er ist das Lachen, das dem Tyrannen den Nerv raubt, ist eine außergewöhnliche Art der Solidarität von sprühender Intelligenz und eine friedliche Aktionsform. Alle, die sich dort versammelt haben, schieben konfessionelle und religiöse, sexistische und heterosexistische, rassistische und nationalistische, also sämtliche politischen Neigungen, die Individualität und Individuum missachten, beiseite und erinnern die Gesellschaft der Türkei an einen gemeinsam Wert. Den Wert der FREIHEIT. (mehr …)

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