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Posts Tagged ‘kurdische Literatur’

… sagte der kurdische Reporter Nedim Türfent, wenn seine Familie sich aufgrund massiver Drohungen gegen ihn sorgte: „Es geht nicht um mich, es geht um die Gesellschaft. Es geht darum, die freie Presse zu unterdrücken und zum Schweigen zu bringen.“ So berichtet es seine Schwester Şehristan in ihrem „ersten Versuch, einen Artikel zu schreiben,“tuerfent-ueber-mauern in über Mauern, dem im September erschienenen Solidaritätsband für ihren Bruder. 6,5 Jahre war Türfent, der „den Menschen, denen sonst niemand Beachtung schenkt,“ Stimme sein will, inhaftiert. Er hatte die Hintergründe eines Videos recherchiert, das brutale Gewalt einer türkischen Sondereinheit gegen kurdische Bauarbeiter zeigt, und in der Tageszeitung Evrensel darüber berichtet. Für diesen Bericht wurde er 2015 mit dem Musa-Anter-Journalismus-Preis ausgezeichnet, von der türkischen Justiz 2016 aber wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung zu langer Haft verurteilt. Obwohl er zunächst als Papier nur das Etikett der Wasserflaschen zur Verfügung hatte, schrieb er weiter und fing sogar an, Lyrik zu schreiben. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe kam er nun am 29.11.22 frei. über Mauern, der Band mit Texten von ihm und über ihn, ist deshalb aber keineswegs obsolet …

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mevsim-yazBatman/Südosttürkei, Ende 2006, der jungen Lehrerin Zehra fallen zwei Lebensberichte in die Hände: das Tagebuch eines seit einer Woche verschwundenen, vermutlich entführten Freundes und anonyme Briefe einer Frau, die von ihrer entsetzlichen Kindheit Anfang der 1990er erzählt. Beide offenbaren vielfach verdrängte Erinnerungen an die Hizbullah-Morde und die Welle der Suizide von Frauen und Mädchen in der Region. Mit ihrem Debütroman Mevsim Yas [Jahreszeit Trauer] taucht die kurdische Autorin Mehtap Ceyran mitten in kollektive Traumata ein und erzählt, „weil man nicht vergessen kann“* …

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Demirtas-Seher-CoverAuf der Istanbuler Buchmesse Tüyap signieren am 4. und 12. November 28 namhafte AutorInnen ein und dasselbe Buch. Bereits kurz nach seinem Erscheinen im September fand eine Lesung von sieben SchriftstellerInnen aus dem Band statt. Der Autor selbst kann weder signieren noch daraus lesen: Er sitzt als politischer Gefangener hinter Gittern, am 4. November genau ein Jahr. Es muss schon ein besonderer Autor sein, wenn KollegInnen sich derart für ein Debüt einsetzen: Selahattin Demirtaş, Menschenrechtsanwalt und seit 12 Jahren Politiker, ist Ko-Vorsitzender und charismatischer Hoffnungsträger der kurdischen HDP, die er 2015 zum Ärger der AKP-Regierung mit großem Erfolg ins Parlament führte, und berühmt für seine so scharfen wie humorvollen Repliken auf den Staatspräsidenten. Im Gefängnis begann er zu schreiben. Die erste Erzählung druckte Ende 2016 die Zeitung Cumhuriyet, jetzt erschien der Sammelband Seher mit zwölf kurzen Prosatexten.

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Kejo, Ro Jin, Sujet-Verlag 2012 „Es war einmal ein hungriger Löwe, der bezeichnete jeden Ort, den er betrat, als sein Reich …“ Mit leiser Stimme, fast schüchtern liest der syrisch-kurdisch-deutsche Autor Berzan Kejo am 21. Juli 2016 in der Hamburger Werkstatt3 aus seinem autobiographischen Roman Ro Jîn – Sonne des Lebens. Kejo wirkt älter als auf dem Autorenfoto, enttäuschter vielleicht, sicher desillusionierter. Das Buch sei sein „Beitrag zum syrischen Volksaufstand als staatenloser Syrer aus dem Ausland“, betont Kejo im anschließenden Podiumsgespräch. Er lässt keinen Zweifel daran, wie sehr er auch nach 30 Jahren Exil mit seinem Heimatland mitfühlt und mitleidet, wie frustriert aber auch er über die Jahre als Flüchtling in Deutschland ist. (mehr …)

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