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Posts Tagged ‘Frauen’

Aris Fioretos, Mary (Hanser 2016)Mary schweigt in der Folter, sie schweigt, als sie wegen ihres Schweigens auf eine Gefängnisinsel verbannt und zweimal über Wochen allein in einer Bucht, der Müll- und Begräbnisbucht, ausgesetzt wird. Mit jedem Wort, das weiß sie, kann sie sich nur gefährden. Und Dimos ebenso, den Linksrevolutionär, der den illegalen Sender an der Universität organisiert. Vor allem aber, der Sonne, die sie in sich heranwachsen weiß. Dem kleinen Wesen einen Namen zu geben, traut sie sich vorerst nicht. Nicht Türkei 2016/17, sondern ein ungenannt bleibendes Land 1973/74, das sich leicht als Griechenland identifizieren lässt, bildet den Hintergrund für Aris Fioretos’ jüngsten Roman Mary (Hanser, 2016). Der schwedische Autor mit griechischem Vater, dessen Migrationserfahrungen er im vorangegangenen Semi-Roman Die halbe Sonne nachzeichnete, arbeitet als Angehöriger der Nachfahrengeneration nun die Studentenrevolten November 1973, die den Anfang vom Ende der letzten griechischen Militärdiktatur markierten, zunächst aber zur Verschärfung der Lage beitrugen, aus ungewöhnlicher Perspektive auf.

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„In Beyoğlu/Istanbul vom Ehemann zu Tode geprügelt“, „13-Jährige von Vater, Onkel und Bruder missbraucht“, „Vom eigenen Großvater vergewaltigt“, „Schülerin beging Selbstmord nach Vergewaltigung durch Lehrer“ – nahezu täglich kommen aus der Türkei Meldungen über Gewalt gegen Frauen, Morde an Frauen und sogenannte Frauen- und Mädchenselbstmorde. Der Prozess gegen den Lehrer, der angeklagt ist, seine 17-jährige Schülerin Cansel vergewaltigt zu haben, die sich anschließend das Leben nahm, beginnt heute.

Burce Bahadir, Ölü Kadinlar Memleketi Auch der Fernsehjournalistin Burçe Bahadır ging das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen über die Hutschnur und sie machte sich an eine Doku mit Betroffenen. Das Thema durchzusetzen, erwies sich als extrem schwierig. Viele hätten aufgegeben, doch Bahadır ist hartnäckig, es gelingt es ihr schließlich, Interviews zu führen. Sie will vor allem eines: verstehen! Zuhören, die Wahrheit erfahren, wissen, was Männer dazu treibt, (ihre) Frauen zu misshandeln, missbrauchen, umzubringen, was Frauen erleiden, bis sie ihrerseits den sie quälenden Partner töten, warum man sich nicht einfach trennt… Aus dem Material für die TV-Doku entstand das beeindruckende Reportagenbuch Ölü Kadınlar Memleketi / Land der toten Frauen: das Portrait einer Gesellschaft, in der Männergewalt allzu oft als normal oder gar gerechtfertigt gilt.

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Ipsiroglu, Kadinlarin Gözüyle Yazmak ve Yasamak Noch heute übernehmen die meisten Frauen den männlich dominierten, zumeist frauenfeindlichen Diskurs der Gesellschaft, oder nehmen ihn doch hin. Dass es anders geht, zeigen Autorinnen aus der Türkei, die von Zehra İpşiroğlu, Autorin, Literatur- und Theaterwissenschaftlerin, eingeladen wurden, das traditionelle Tabu für Frauen, Privates öffentlich zu machen, zu brechen und die eigenen Lebensläufe „aus dem Gender-Blickwinkel“ neu zu erzählen. Elf und sie selbst nahmen die Herausforderung an, das Ergebnis liegt als Sammelband Kadınların Gözüyle Yazmak ve Yaşamak (Schreiben und Leben mit den Augen der Frauen) nun vor. Und wir Leserinnen sind aufgefordert, ihrem Postulat, nur im gegenseitigen offenen Austausch lerne frau sich richtig kennen und zu begreifen, wie die Gesellschaft sie formt, nun unsererseits zu folgen.

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Der Mord nach Vergewaltigung an der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan in der vergangenen Woche in der Türkei hat das Thema Gewalt gegen Frauen wieder ganz oben auf die Agenda gebracht. Tausende, vor allem Frauen, gingen zu Protesten auf die Straße, nicht nur in der Türkei. Statistiken belegen, dass der religiös-konservative Geist der amtierenden Regierung Gewalt an Frauen Vorschub leistet und sich die Opferzahlen in den letzten 12 Jahren drastisch erhöht haben.

Sibel Hürtas, Canina Tak Eden Kadinlar (Iletisim 2014)Die türkische Journalistin Sibel Hürtaş hat sich des Themas bereits vor vier Jahren angenommen, ihre Dokumentation Canına Tak Eden Kadınlar. Kocalarını Neden Ödürdüler? (Frauen, denen der Kragen platzt. Warum brachten sie ihre Männer um?) erschien 2014. Hürtaşs Spezialgebiet sind Frauen- und Menschenrechte sowie religiöse Minderheiten, sie war lange als Gerichtsreporterin tätig. Mit einer Politologin und einem Psychologen besuchte sie 2011 eine Reihe türkischer Gefängnisse mit offenem und geschlossenem Vollzug und nahm 30 Fälle von Frauen auf, die wegen Mordes am Ehemann oder Partner verurteilt sind. Dabei lag ihr Fokus stets auf der Lebensgeschichte der Frauen, die die Betroffenen ihr erzählten. (mehr …)

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