Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘indische Literatur’

Amitav Ghosh, Der rauchblaue Fluss (Blessing 2012) In seinem aktuellen Roman schreibt Amitav Ghosh das Los der Ibis-Passagiere fort, die er 2008 in „Das mohnrote Meer“, Teil eins der Ibis-Trilogie, einer geneigten Leserschaft ans Herz gelegt hatte. Zwei Orte verbinden Schicksale und Erzählungen: Kanton 1838/39 und Jahre später Mauritius, genauer: der Schrein Ditis, die als junge Frau mit der Ibis kam und längst ehrwürdige Großmutter und Matrone der Colver-Farm ist. In diese Gebirgshöhle, den Tempel der Erinnerungen, führt Diti ihre ehemaligen Schiffsgenossen mit der Bitte, per Wandbild die eigene Geschichte den hier bereits festgehaltenen hinzuzufügen, wie sie selbst es tat.

Ihr folgen die junge Botanikerin Paulette Lambert, die den Pflanzenhändler Penrose auf seiner Reise nach Kanton begleitete, und der seinerzeit in Ungnade gefallene ehemalige Landlord Anil Kumar, kurz Nil, der sich aus der Gefangenschaft befreien und mit Haftgenosse Ah Fat alias Freddy, Sohn des parsischen Reeders und Opiumhändlers Bahramji Naurozji Modi alias Barry Moddy, Richtung Singapur fliehen konnte. Seth Bahram hat mit seiner Ladung Opium auf der Anahita alles auf eine Karte gesetzt, der Gewinn soll ihn endlich unabhängig machen von erzwungenen Familienbanden. Im Orkan verteidigt er unter Einsatz seines Lebens die geheime Fracht im Bauch des Dreimasters, der arg Schaden nimmt. In Singapur wird repariert und ein neuer Sekretär angeheuert: Nil, der auf diese Weise mit Bahram nach Kanton kommt, am Vorabend des Ausbruchs des ersten Opiumkriegs. Hier stockt das Leben, als die chinesischen Behörden ein rigoroses Importverbot für Opium verhängen, hoch beladene Schiffe, auch Bahrams Anahita, warten auf Reede vor Hongkong und Macao. Es war die East India Company, die einst Opium in China eingeführt hatte, um die durch Chinas Export der Kostbarkeiten Tee, Seide und Porzellan in arge Schräglage gekommene Handelsbilanz zu eigenen Gunsten zu korrigieren. (mehr …)

Read Full Post »

Indian Ruminations (Logo) Längst hat die Leserin sich daran gewöhnt, eine Übersetzung etwa aus dem „amerikanischen Englisch“ oder dem „australischen Englisch“ zu lesen, wie aber ist es mit dem „indischen Englisch“? Das neue Internetmagazin Indian Ruminations. Journal of Indian English Writers widmet sich nun explizit diesem Thema.

Es war die East Indian Company, die vor 300 Jahren die englische Sprache nach Indien brachte, lange war sie die Sprache der Kolonisatoren, dann der High Society, längst aber ist sie eine gemeinsame Sprache für Millionen unterschiedlichster Menschen auf dem indischen Subkontinent mit seiner enormen Vielfalt an Sprachen, Kulturen und Religionen.

Sprache und Literatur sind nicht voneinander zu trennen, konstatiert Mitbegründer und -herausgeber J.T. Jayasingh in seinem Leitartikel The Language I dream. Von Beginn der britischen Kolonialherrschaft an entstand auch englischsprachige Literatur im Land, zunächst von Briten vor Ort ganz im Stil und mit dem Herkunftsland im Hinterkopf, bald wurde auch das Leben in Indien thematisiert, Skizzen zu Geographie und Bevölkerung des Gastlandes entstanden. (mehr …)

Read Full Post »

Am 9. Mai 2010 wurde der israelische Dan David Prize in der Sparte „Gegenwart“ an die SchriftstellerInnen Margaret Atwood, Kanada, und Amitav Ghosh, Indien, verliehen. Seit der Bekanntgabe dieser Entscheidung wurden beide von breiten Kreisen gebeten, gedrängt bis bedroht, den Preis aus israelischer Hand aus Protest gegen die israelische Palästina-Politik abzulehnen. Beide entschieden sich der massiven und zum Teil das Maß des Erträglichen übersteigenden Reaktionen zum Trotz, die mit 1 Mio. USD pro Sparte dotierte, von Dan David Stiftung und Tel Aviv University gemeinsam verliehene Auszeichnung anzunehmen. Vor allem wollten sie ihr Recht wahren, „für sich selbst zu sehen und zu sprechen“, wie sie in ihrer gemeinsamen Dankesrede konstatierten.

Amitav Ghosh (outlookindia.com) „Ich bin entsetzt über die aufgezwungene Isolation von Gaza, die fortgesetzte Expansion der Siedlungen auf der Westbank und die Unnachgiebigkeit und den Extremismus der gegenwärtigen Regierung in Israel. Meine Sympathien gehören all jenen, die in diesem langen und destruktiven Konflikt gelitten haben und leiden“, lauten Ghoshs Eröffnungsworte. Es folgt u.a. der Hinweis, er glaube nicht an Embargos und Boykotte, wenn es um kulturelle und Bildungsangelegenheiten gehe, und Einrichtungen in diesen Bereichen hätten prinzipiell als „vom Staat autonom“ zu gelten, sonst stünden ebenso Kulturschaffende und Wissenschaftler in Amerika und Großbritannien z.B. im Verdacht, für die Irak-Politik ihrer Länder mitverantwortlich zu sein. Historisch hätten sowohl Indien wie auch Kanada, die Herkunftsländer der Laureaten, ihren Anteil an Blutvergießen und Ungerechtigkeit, so dass zu Selbstgerechtigkeit kein Grund bestehe. (mehr …)

Read Full Post »

Was für eine Demokratie muss das sein, in der ein Diplomat in seinem zweiten Roman nicht nur erneut die Verhältnisse in den Slums anprangert, sondern vor allem Korruption, Privilegien und Machenschaften der Reichen und Mächtigen in seinem Land! In Immer wieder Gandhi lässt Vikas Swarup den zum Zweck einer „Katalogheirat“ anreisenden Amerikaner Larry Page (nein, natürlich nicht der Google-Gründer, aber eben diese Namensgleichheit führt zu tausenderlei Verwicklungen) gleich am Flughafen auf einen Passbeamten treffen, dem in seiner Devisenkollektion noch ein Hundert-Dollar-Schein fehlt. Natürlich wird Larry auch nicht von seiner „Verlobten“ Sapna freudig am Flughafen erwartet, stattdessen gerät er in eine turbulente Verwechslungskomödie, die fast tragisch geendet hätte. Doch am Ende schickt die CIA ihn auf die Party von Vicky Rai in Delhi – Dreh- und Angelpunkt des ganzen Buches.

Denn Vicky Rai, der skrupellose Businessman und Sohn des Innenministers von Uttar Pradesh, wird auf dieser Party zur Feier seines Freispruchs von einem Mord, den er vor aller Augen begangen hat, erschossen. Es folgen Geschichten, weit mehr als ein Whodunit, über die sechs Verdächtigen, die die Polizei festnimmt, denn sie alle trugen auf dieser Party Waffen bei sich: (mehr …)

Read Full Post »

„Die Bilder, die wir vom 19. Jahrhundert im Kopf haben, sind bis heute von imperialistischer Propaganda geprägt“, so der aus Indien stammende Autor im Interview 2008, „Tatsächlich aber gründete sich das 19. Jahrhundert auf Opium.“ Was das für die betroffenen Menschen, die Arbeiter auf Feldern und in Fabriken, ihre Familien, die Händler, die Konsumenten bedeutete, erzählt Ghosh in seinem 2008 erschienen Roman Das mohnrote Meer. Diese Geschichten, ein „melting pot of voices“, sind so vielfältig und interessant, stellte er beim Schreiben fest, dass er das Epos gleich auf drei Bände anlegte: die Ibis-Trilogie. Die Ibis, die erst Sklaven nach Übersee transportierten, dann für den Opiumtransport umgerüstet werden soll, ist eines jener Schiffe, die in den 1830er Jahren Auswanderer von Indien nach Marich bringen, der Insel, von der haarsträubende Gerüchte umgehen: Mauritius.

Globalisierung ist kein neues Phänomen, man sehe sich nur die Crew-Listen dieser Schiffe an, so Ghosh. Das heißt auch: Migration war vor zweihundert Jahren so aktuell wie heute, ein Thema, das seit Beginn der Menschheitsgeschichte nie an Aktualität verloren hat, da es mit seinen Implikationen an die Urattitüden des Menschen rührt, Abschied und Neubeginn, Ängste, Hoffnungen, den Wunsch, aus eigener Kraft ein besseres Leben zu schaffen, kurz, Schrecken und Chancen bietet. Warum Menschen den Weg ins Ungewisse wagen, damals wie heute, zeigt Ghosh in seiner einzigartigen Sensibilität exemplarisch an den Reisenden der Ibis. (mehr …)

Read Full Post »

India Week 2009Wie Geschichte lebendig und historische Literatur mitreißend wird, führten am 24. Oktober Studierende des Asien-Afrika-Instituts der Universität Hamburg vor. Im Rahmen der Indischen Woche in Hamburg bestritten sie mit einem überzeugenden Konzept die einzige literarische Veranstaltung der Reihe: Vier Szenen aus der indischen Geschichte in drei großen Romanen berühmter indischer Autoren: Shashi Tharoor, Wrindawanlal Warma und Salman Rushdie.
Gleich zu Beginn wies die hervorragende studentische Moderatorin darauf hin, dass historische Romane, so sehr die Autoren auch um sachliche Fakten der Erzählzeit bemüht sein mögen, stets gefärbt sind durch die Lebensumstände und Zeit ihrer Autoren. (mehr …)

Read Full Post »