Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Istanbul’

Die türkische Schriftstellerin Sema Kaygusuz meldete sich am 11.06.2013 in der Tageszeitung RADIKAL mit folgendem Beitrag zum Bürger-Protest in der Türkei zu Wort:

41 Jahre alt bin ich und habe nun zum ersten Mal im Leben ein Land. Dieses Land ist nicht mehr eine Eventualität, sondern eine neue Zukunft, die sich mit dem Widerstand im Gezi-Park manifestiert. Im Gezi-Park geschieht derzeit Einzigartiges. Die markantesten Charakteristika dieses Protestes sind, dass er frei von Hass ist und ohne jede Zerstörungswut. Er ist das Lachen, das dem Tyrannen den Nerv raubt, ist eine außergewöhnliche Art der Solidarität von sprühender Intelligenz und eine friedliche Aktionsform. Alle, die sich dort versammelt haben, schieben konfessionelle und religiöse, sexistische und heterosexistische, rassistische und nationalistische, also sämtliche politischen Neigungen, die Individualität und Individuum missachten, beiseite und erinnern die Gesellschaft der Türkei an einen gemeinsam Wert. Den Wert der FREIHEIT. (mehr …)

Read Full Post »

solidarity2_0 Der türkische Autor Hakan Günday schrieb am 12.06.2013 nach der Räumung des Istanbuler Gezi-Parks eine Kolumne für die Tageszeitung Radikal: “Quarantäne”. Hier meine Übersetzung:

Als einer, der viel darüber nachgedacht und geschrieben hat, wie Gewalt als Kommunikationsmittel eingesetzt wird, welchen Raum sie im öffentlichen Leben einnimmt und wie sie sich auf die menschliche Psychologie auswirkt, erlebe ich, dass sie auch benutzt werden kann, um eine gesellschaftliche Aktion unter Quarantäne zu stellen. Am 12. Juni 2013, um 01.02 Uhr. (mehr …)

Read Full Post »

GeziParki01 In der Tageszeitung BirGün schrieb die türkische Journalistin Ece Temelkuran am 03.06.2013 folgende engagierte Kolumne zu den Ereignissen in der Türkei, die am Istanbuler Gezi-Park ihren Ausgang nahmen. Hier der Wortlaut in meiner Übersetzung:

Widerstand am Gezi-Park: Was geschah? Warum? Was wird daraus?

Sie fragen: „Alles um dreier Bäume willen?“

Am Anfang ja. Es ging um drei Bäume. Mittlerweile aber geht es um „drei Setzlinge“, um alle Setzlinge. Um die Mädchen und Jungen, die sie versucht haben, im Gas zu ersticken. Um ihre Eitelkeit, mit der sie sagten: „Was ich sage, geschieht.“ Darum, dass sie die Menschen für dumm hielten und wie Kinder behandelten. Es geht um die Massaker von Roboski und Reyhanlı, um alle türkischen, kurdischen, armenischen, arabischen, griechischen, alevitischen, dschafaritischen Mädchen und Jungen, die sie mit Gas, Bomben oder Kugeln töteten, um anschließend „Gott lasse sie in Frieden ruhen“ zu sagen. Darum, dass sie alle, die den Mund aufmachten, inhaftiert haben. Darum, dass sie den armen Leuten sagten: „Nimm deine Mutter mit und geh!“ Darum, dass sie unsere Flüsse verkaufen, unsere Bäume abholzen, unseren Bergen die Bäuche aushöhlen und nie genug davon bekommen. Darum, dass sie die Journalisten einschüchtern und die Studenten verprügeln. Darum, dass sie unsere Mädchen an den Haaren schleifen und unsere Jungen misshandelen. All dies geschieht darum, weil sie vergessen haben, dass wir Menschen und Bürger dieses Landes sind. Es geht nunmehr um den Widerstand gegen Repression.

(mehr …)

Read Full Post »

SabitFikir solidarity In einer am 3. Juni von der Literaturzeitschrift SabitFikir verbreiteten Erklärung verurteilen türkische Autorinnen und Autoren das brutale staatliche Vorgehen am Istanbuler Gezi-Park und fordern dringend ein Ende der Polizeigewalt und die Bildung einer unabhängigen Kommission. Hier die Erklärung in deutscher Übersetzung: (mehr …)

Read Full Post »

Livaneli, Serenad Istanbul im Februar 2001: Geradezu unbedarft stolpert Maya, alleinerziehende Mutter und PR-Frau an der Universität Istanbul, in die Vergangenheit hinein, als sie den Auftrag bekommt, sich um Prof. Maximilian Wagner aus Boston zu kümmern. Der 87-jährige amerikanische Jurist mit deutschen Wurzeln ist zu einem Vortrag in Istanbul geladen. Wieso aber folgen ihm auffällig-unauffällig drei Männer in weißem Renault?

Nach und nach lüftet der türkische Autor Zülfü Livaneli in seinem jüngsten, im Frühjahr 2011 erschienenen Roman Serenad (Serenade) die Schleier des Vergessens und der Geheimnisse, die seine Protagonisten umgeben. Kräftig unterstützt wird er dabei von Mayas Sohn Kerem, 14, internetsüchtig und von der Welt genervt. Den Agententhriller, den seine Mutter ins Haus bringt, lässt er sich nicht entgehen und holt wichtige Informationen für Maya aus dem Netz. (mehr …)

Read Full Post »

In ihrem jüngsten Roman Yeşil Peri Gecesi (Die Nacht der grünen Fee, erschienen im September 2010) berichtet Ayfer Tunç, eine der wichtigen Stimmen der jüngeren türkischen Literatur, aus dem Inneren der Istanbuler Society. Sie erzählt die Geschichte der absichtlichen Selbstdemontage einer hübschen jungen Frau, die ihre Schönheit als Fluch erlebt.

Die kurze glückliche Kindheit der Ich-Erzählerin endet, als der Vater durch einen Unfall verstümmelt und arbeitsunfähig wird und das Mädchen  Mutter und Onkel im Bett überrascht. Der Schock verändert ihr Leben. Fortan wächst in ihr der Hass und sie beginnt, ihre außergewöhnliche Schönheit als Waffe einzusetzen, um die Welt von Männern zu zerstören, die sie begehren oder auch nur ihr Herz zu gewinnen versuchen, wie eben dieser Onkel Süleyman. Um ihn zu vernichten, posiert sie mit 19 scham- und hüllenlos für ein Pornomagazin. Zugleich ist dieser Akt einer der Verzweiflung, hat doch Ali, der einzige Mann, den sie wirklich liebte, sie verlassen. Lange springt sie von Beziehung zu Beziehung, redet sich ein, verliebt zu sein, lässt sich ausnutzen, nutzt selbst aus oder legt es bewusst darauf an, Familien zu zerstören. (mehr …)

Read Full Post »

Jeder Tourist träumt davon, für die Dauer seines Aufenthalts dazuzugehören, an- und aufgenommen zu werden, vor allem aber, tiefen Einblick in Leben und Gesellschaft der Menschen im Zielland nehmen zu dürfen. Meist fehlt es jedoch an der nötigen Zeit ebenso wie an Sprachkenntnissen.

Betty Kolodzy, Istanbul WalkingIstanbul-Reisende können sich nun von Betty Kolodzy an die Hand nehmen lassen und mit ihr von Begegnung zu Begegnung schlendern, auf der Straße, zum Tee in einem Geschäft, zu ungeheuren Portionen Mantı, den türkischen Ravioli, im Kreis neugieriger Hausfrauen oder etwa zum Backgammon-Spiel im Teegarten bei Onkel Ibrahim, der unversehens weitergehende Ambitionen entwickelt. Kolodzy hat einige Monate in Istanbul verbracht und sich die Zeit und Muße genommen, auf die vielfältigen Melodien der Menschen in der Megalopolis zu hören, schlaglichtartig einzelne Gesichter auf sehr persönliche Weise aus der Menge herauszuheben und die kleinen Episoden, die ihr Tag für Tag widerfuhren, aufzuschreiben. (mehr …)

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »