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Der Mord nach Vergewaltigung an der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan in der vergangenen Woche in der Türkei hat das Thema Gewalt gegen Frauen wieder ganz oben auf die Agenda gebracht. Tausende, vor allem Frauen, gingen zu Protesten auf die Straße, nicht nur in der Türkei. Statistiken belegen, dass der religiös-konservative Geist der amtierenden Regierung Gewalt an Frauen Vorschub leistet und sich die Opferzahlen in den letzten 12 Jahren drastisch erhöht haben.

Sibel Hürtas, Canina Tak Eden Kadinlar (Iletisim 2014)Die türkische Journalistin Sibel Hürtaş hat sich des Themas bereits vor vier Jahren angenommen, ihre Dokumentation Canına Tak Eden Kadınlar. Kocalarını Neden Ödürdüler? (Frauen, denen der Kragen platzt. Warum brachten sie ihre Männer um?) erschien 2014. Hürtaşs Spezialgebiet sind Frauen- und Menschenrechte sowie religiöse Minderheiten, sie war lange als Gerichtsreporterin tätig. Mit einer Politologin und einem Psychologen besuchte sie 2011 eine Reihe türkischer Gefängnisse mit offenem und geschlossenem Vollzug und nahm 30 Fälle von Frauen auf, die wegen Mordes am Ehemann oder Partner verurteilt sind. Dabei lag ihr Fokus stets auf der Lebensgeschichte der Frauen, die die Betroffenen ihr erzählten. Weiterlesen »

WordShortStoryDay Der 14. Februar ist Valentinstag, klar, aber zudem ist dann Welttag der Kurzgeschichte! Das hat sich bisher noch nicht recht herumgesprochen, nur in der Türkei und bei einigen Türkisch-affinen Buchmenschen außerhalb der Türkei wird dieser Tag gefeiert. Nicht von ungefähr, denn in der türkischen Literatur nehmen Erzählungen und Kurzgeschichten eine herausragende Stellung ein.

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Yavuz Ekinci, Rüyasi Bölünenler, Dogan Kitap 2014 Wie ist das, wenn einer sich nach 18 Jahren aufmacht, seinen verlorenen Bruder zu suchen? Ohne Nachricht, ohne Spur. Und doch weiß Ismail, wo er suchen muss: bei der Guerilla in den kurdischen Bergen jenseits der Grenze … Ismail lebt als politischer Flüchtling in Deutschland, zutiefst einsam und unglücklich, nur äußerlich etabliert. Als der Vater, der ihn einst für den Fortgang des Bruders verantwortlich machte und aus dem Haus warf, im Sterben liegt, lässt er alles stehen und liegen und macht sich auf eine ungewisse Suche. In seinem im August 2014 erschienenen dritten Roman Rüyası Bölünenler (Deren Träume gespalten sind) erzählt der türkisch-kurdische Autor Yavuz Ekinci die „Geschichte der Brüder“, die sonst kaum einer aufgreift: das Schicksal der Zurückbleibenden, der verzweifelt auf Nachricht wartenden Angehörigen, die es in jedem Konflikt, jedem Krieg massenweise gibt, die aber im Gegensatz zu den Aktivisten selten im Licht stehen, weil sie nicht zu Heldengeschichten taugen. Weiterlesen »

koridoru-ac-turkiye-208x300 In Istanbul kamen am Freitag, 17.10.14, namhafte LiteratInnen zusammen, um einen Appell der Solidarität mit Kobanê zu starten. Jede/r TeilnehmerIn war aufgerufen, einen Satz für Kobanê beizutragen. Geleitet wurde die Versammlung maßgeblich von Murathan Mungan und Sema Kaygusuz. Zur Eröffnung sagte Mungan, Ziel sei es, auf die drohende Gefahr eines Völkermords aufmerksam zu machen. „Es geht nicht um ein Volk jenseits der Grenze, die Leute dort sind unser Volk. Sie gehören nicht zu uns, weil sie Kurden, Yeziden oder Sunniten sind, sondern weil sie Menschen sind.“

Folgende von 160 SchriftstellerInnen und DichterInnen unterzeichnete Resolution wurde verabschiedet:

„Öffne den Korridor, Türkei …

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Sami Özbil, Cök Kimseyi Sevmiyordu, Iletisim 2014 Er muss per Hand weiterschreiben. Der Computer, um den er jahrelang hatte kämpfen müssen, an dem er an seinem fünften Roman arbeitete, wurde dem türkischen Autor Sami Özbil als Disziplinarstrafe gesperrt. Özbil sitzt seit 16 Jahren in türkischen Gefängnissen, verurteilt zu inzwischen zweimal lebenslänglich, lange Zeiten isoliert in Einzelhaft, immer wieder mit Kommunikationssperren belegt. Vorwurf: Mitgliedschaft in einer Organisation, die den bewaffneten Umsturz des Systems anstrebe.

Wie liest man einen unter solchen Bedingungen geschriebenen Roman? Klingen die Umstände als Subtext mit? Ist die Suche nach Metaphern, Anspielungen, versteckten Hinweisen legitim, gar angesagt – oder tut man einem literarischen Werk damit Unrecht?

Sami Özbils vierter Roman Çöl Kimseyi Sevmiyordu (Die Wüste liebte keinen) erschien im Frühjahr 2014.

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Nach einer Meldung der linken türkischen Tageszeitung Birgün kamen am 30. August 2014 in Ankara 54 Intellektuelle, Schriftsteller und Vertreter linker Parteien zusammen, um ein Bündnis gegen den Rechtsruck in der Türkei zu bilden. Auf der ersten Versammlung in der Middle East Technical University ODTÜ in Vişnelik/Ankara sei es zunächst um Gedankenaustausch, Einschätzung der aktuellen Entwicklungen in der Region und Diskussion von Vorschlägen zu möglichem gemeinsamen Vorgehen gegangen. Gemeinsame Besorgnis über „die zunehmend zu einer islamistisch-faschistoiden Diktatur mutierende AKP-Regierung und das sogenannte ‚neue Regime’ in der Türkei“ bildet das Grundmotiv der neuen Plattform: Weiterlesen »

Knott-Witte, Mit anderen Worten Gut 13% der Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt sind Übersetzungen. Ein Sammelband bietet nun Gelegenheit, sich einmal mit dem literarischen Übersetzen selbst zu beschäftigen: Mit anderen Worten. Zur Poetik der Übersetzung (Matthes&Seitz 2014). Als „übersetzerische und übersetzungstheoretische Selbstauskünfte“ bilden die sieben Antrittsvorlesungen der Schlegel-Gastprofessur** aus den Jahren 2007-2013 (nebst Einführung und einem Seminarbericht) ein Kompendium literarischen Übersetzens, das FachkollegInnen ebenso wie interessierten Laien Einblicke in die Praxis des Übersetzens gibt. Lebendig dargestellt werfen die Beiträge zudem ungewohnte, weil übersetzungsspezifische Perspektiven auf Texte der Weltliteratur, meist unterfüttert mit historischem und kulturellem, speziell sprachlich-literarischem Hintergrund.

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Yusuf Yesilöz, Soraja Ein Träumer, ein Mensch auf der Suche ist Ferhad, der Held und Ich-Erzähler in Yusuf Yeşilöz’ neuem Roman „Soraja“. Der kurdisch-schweizerische Autor und Dokumentarfilmer Yeşilöz beweist auch mit seinem zehnten Buch sein Faible für leise, unaufgeregte Klänge, für menschliche Zwischentöne und so kritische wie liebevoll genaue Beobachtung beider Kulturen, der türkisch-kurdischen wie der schweizerisch-westeuropäischen. „Ich wusste, dass ich ein Mensch auf der Suche war, wusste aber nicht mehr, seit wann“, bekennt sein Held …

weiterlesen bei migazin: http://www.migazin.de/2014/07/18/ein-dauerheimatsuchender-traeumer-im-aufbruch/

Adatepe_Kein Frühling für Bahar Sira alias Birte Mirbach hatte bei unserer Blogger-schenken-Lesefreude-Aktion 2014 meinen Roman Kein Frühling für Bahar gewonnen. Nun hat sie ihn gelesen und eine tolle Besprechung dazu geschrieben: Weiterlesen »

Adatepe, Kein Frühling für BaharMohn und Tulpen oder auch Blut, Hamburg und Berlin, Abschottung und Distanz, trostlos und doch voller Trotz … Ein Cover also, zu dem man gleich einen neuen Roman schreiben könnte! Die meisten von euch haben das Mädchen auf dem Cover mit der Titelheldin Bahar gleichgesetzt. Wie spannend! Wenn Bahar etwas mehr von dem Covergirl gehabt hätte, wäre sie womöglich noch am Leben … Also doch ein Krimi? Ja und nein … Weiterlesen »

Blogger_Lesefreude_2014_Logo 23. April: Welttag des Buches! Seit Jahren organisiert die Stiftung Lesen zum Tag des Buches bundesweit Aktionen zur Leseförderung wie großangelegte Vorleseaktionen oder die Buch-Gutschein-Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“. 2013 riefen die Buchbloggerinnen Christina und Dagmar mit Blick auf die neuen Medien eine Aktion im Internet ins Leben: Blogger schenken Lesefreude am 23. April und drumherum verlosen Hunderte von Buchblogs Bücher!

Letztes Jahr gab’s bei mir ein frisch übersetztes Buch. Dieses Jahr bin ich mit meinem Roman dabei: Kein Frühling für Bahar“: Weiterlesen »

Ayfer Tunc, Dünya Agrisi Herbst 2012, eine Kleinstadt irgendwo in Anatolien, im Winter zu kalt, im Sommer zu heiß, heruntergekommen, langweilig, kurzzeitig aus der Lethargie geweckt durch die irrige Hoffnung, die nahe Mine berge Gold. Zwei Hotels sind dem Ort geblieben, das erste Haus am Platz und dann der schäbige Laden von Mürşit, verkommen, weil Mürşit seit dreißig Jahren die Zügel hat schleifen lassen, halb bewusst, halb aus Unlust und Frust. Es ist sein Gefängnis, der Klotz an seinem Bein. Mürşit ist Dreh- und Angelpunkt in Ayfer Tunç’ neuem Roman Dünya Ağrısı („Weltschmerz“, Februar 2014): knapp 50, abgebrochenes Philosophie-Studium in Istanbul, verheiratet, zwei gerade erwachsene Kinder, aus Pflichtgefühl in den ungeliebten Familienbetrieb Hotel zurückgekehrt, zerquält und gelähmt von einem diffusen Schmerz.

Was ihn quält, hat er lange verdrängt, nach Jahren aber blitzt es in Träumen wieder auf. Der Leser steigt mit diesem Traum in das Buch ein:

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Blogger_Lesefreude_2014_Logo Am 23. April ist Welttag des Buches. Man könnte ein Buch besprechen an diesem besonderen Tag, das tun wir aber schon an vielen anderen Tagen des Jahres … man könnte eines verschenken, wer täte das nicht ohnehin … man könnte auch eines verlosen – und das wollen wir auch 2014 tun. Wir, das sind BloggerInnen, hauptsächlich von Buch-Blogs, aber Beschränkungen gibt es da nicht, stöbern lohnt sich. Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr wird die Aktion auch 2014 wieder aufgelegt, mit noch größerer Beteiligung und mit einer eigenen Website: http://bloggerschenkenlesefreude.de/ Dort gibt es auch einen Link zur Liste aller teilnehmenden Blogs.

Welches Buch verlose ich?

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Burhan Sönmez, Masumlar (Iletisim 2011) „Einsamkeit hat verschiedene Spielarten, die eine gleicht der anderen nicht.“ Masumlar (2011, [Die Unschuldigen]), der zweite Roman des türkisch-kurdischen Schriftstellers Burhan Sönmez, strotzt vor Einsamkeit und Menschen, die in ihrer Einsamkeit gefangen sind, und doch kommt die Hoffnung nie zu kurz. Masumlar ist, wie bereits sein erster Roman Kuzey (2009, [Norden]) ein sehr persönliches Buch, in das Sönmez viel aus dem eigenen Leben hineinlegt, auch das schärft die Tiefe des Einblicks in das Exilleben eines politischen Flüchtlings in Westeuropa. Verwoben mit Ausschnitten aus der kurdisch geprägten Haymana-Ebene bei Ankara bietet der Roman ein doppeltes Panorama der Einsamkeiten, der Unschuld in konkretem wie in philosophischem Sinne und der Suchen nach dem (Über-)Leben, nach Wahrheit und Wirklichkeit – und lässt den Leser nicht mehr los. Weiterlesen »

  Ahmet Ümit, Beyoglun'un En Güzel AbisiSilvester, 31. Dezember 2013. Eine nicht allzu unruhige Nacht für die Polizei in Istanbul, bis ein Toter vor einem Nachtklub in Tarlabaşı gemeldet wird … Damit setzt der Doyen der türkischen Kriminalliteratur Ahmet Ümit seinen Helden Hauptkommissar Nevzat mitten hinein in die brodelnde Stadt, in eines der umstrittensten Viertel in Sachen Stadtentwicklung und Immobilienspekulationen der letzten Jahre, in das zwielichtige Milieu von Drogen, Prostitution, verbotenem Glücksspiel und mafiösen Rivalitäten. Beyoğlu’nun En Güzel Abisi (Der beste Patron von Beyoğlu) erscheint zu einer Zeit, da es durchaus heikel erscheint, einen Kommissar als Ich-Erzähler Sympathiewerbung für die türkische Polizei betreiben zu lassen. Weiterlesen »