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Alpan Sagsöz, Als wir Libellen waren Ein junges Mädchen auf der Suche nach ihrem Vater, ein Anwalt in den besten Jahren auf der Flucht vor sich selbst – als ihre Wege sich keineswegs zufällig kreuzen, scheint nur einen Augenblick lang die Welt für beide in Ordnung, bis erneut alles aus den Fugen gerät. Sie nutzen aber die Krisen zur Reifung und stellen sich dem stets unberechenbaren Leben mit neuem Elan. Flott bis flapsig, stylish bis spritzig fabuliert der Kölner Autor Alpan Sağsöz in seinem jüngsten, nur als eBook veröffentlichten Roman Als wir Libellen waren (Berlin 2015) drauflos, stellenweise „wie ein Baum bearbeitender Specht nach einem überzuckerten Espresso“, wie es an einer Stelle im Buch heißt. Doch was sich wie Fastfood aus der Creative Writing-Küche anlässt, gewinnt an Tiefe, als die Protagonisten aus dem Alltag katapultiert und auf sich selbst zurückgeworfen werden.

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Menekşe Toprak, Ağıtın Sonu „Aber sicher ist es möglich, das Leben leicht zu nehmen! Was einem zustößt, kann man auch als neuen Weg auffassen, statt als Katastrophe!“ Fatma (37) hat ihren gutdotierten Job in einer internationalen Firma im Ausland verloren und kommt, ausgestattet mit finanziellen Mitteln für mindestens ein Jahr, nach einer Ewigkeit erstmals wieder in die Türkei. Ein wenig auf Jobsuche, mehr aber auf der Suche nach sich selbst und einer erfüllenden Beziehung. Zunächst sitzt sie allerdings wegen Lodos, dem Istanbuler Fön, auf einer der Inseln fest. Menekşe Topraks zweiter Roman Ağıtın Sonu (Das Ende der Klage) ist, so sagt die Autorin, das Produkt intensiver Auseinandersetzung mit dem Leben und den Beziehungen von Frauen und Männern in Ost und West und in einer Metropole wie Istanbul im Besonderen. Das Anfang 2014 erschienene Buch erhielt Ende April 2015 den Duygu-Asena-Romanpreis „Die Frau hat noch immer keinen Namen“* als „ein Text, der eine in der globalen Ökonomie agierende junge Frau aus der Türkei mit all ihren Kämpfen und Sehnsüchten auf ehrliche Weise schildert und die emotionale Dimension der Protagonistin in Harmonie mit dem gesellschaftlichen Kontext gestaltet“ (Begründung der Jury).

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bu anlamli günde, tiyatro istasyon hamburg, 2015 Statistiken und Umfrageergebnisse nimmt man zur Kenntnis, empört sich vielleicht kurz – und vergisst sie wieder … Klischeevorstellungen, allemal wenn es um das Thema Geschlechterbeziehungen geht, sind kein Aufreger und eher langweilig, weil ja doch nicht zu ändern … Es sei denn, man macht ein flottes Theaterstück daraus. Das unternahm die Istanbuler Theaterfrau Zeynep Kaçar mit ihrem Stück bu anlamlı günde (an diesem bedeutsamen Tag), das kürzlich in Hamburg die türkischsprachige Theatergruppe İstasyon Tiyatro İletişim, die jüngst ihr 25-jähriges Bestehen feierte, als neues Stück in der Regie von Serap Sadak auf die Bühne brachte. Die Komödie mutet fast als Tragödie an, zeichnet sie doch den Status-Quo der Gender-Verhältnisse nicht nur aber vor allem in der Türkei und damit auch einem guten Teil der Türkei-stämmigen Community in Deutschland nur allzu realistisch nach.

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Akif Kurtuluş, Ukde (Iletisim 2014) „Nur wer zu strafen vermag, kann auch vergeben.“ Cavidan ist Richterin, gerade am Anfang ihrer Berufslaufbahn, als sie in einem Verfahren den Zeugen Nuri kennenlernt. Mit ihm ändert sich ihr Leben. Er veranlasst sie, Entscheidungsprozesse zu überdenken, scheinbare Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, andere Perspektiven einzunehmen. Akif Kurtuluş, Lyriker, Kritiker, Essayist und Romancier und selbst Jurist, wählte mit einer Richterin als Erzählerin des ersten und Hauptteils seines zweiten Romans Ukde (Knoten*) eine ideale Figur, um über Schuld und Verantwortung, Lüge und Wahrheit, (Ver-)Schweigen, Vorurteile, Grenzen und ihre Verletzung u.v.a.m. zu räsonieren und zum Mitdenken anzuregen. Ukde reiht sich ein in die seit rund zehn Jahren entstehende Literatur der Aufarbeitung brisanter Themen aus der türkischen Vergangenheit, die lange tabu waren, so sehr sie auch die Gegenwart tangieren. Und doch ist Ukde mehr als nur ein weiteres Buch zum Gedenkjahr des Genozids an den Armeniern in Anatolien.

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Ipsiroglu, Kadinlarin Gözüyle Yazmak ve Yasamak Noch heute übernehmen die meisten Frauen den männlich dominierten, zumeist frauenfeindlichen Diskurs der Gesellschaft, oder nehmen ihn doch hin. Dass es anders geht, zeigen Autorinnen aus der Türkei, die von Zehra İpşiroğlu, Autorin, Literatur- und Theaterwissenschaftlerin, eingeladen wurden, das traditionelle Tabu für Frauen, Privates öffentlich zu machen, zu brechen und die eigenen Lebensläufe „aus dem Gender-Blickwinkel“ neu zu erzählen. Elf und sie selbst nahmen die Herausforderung an, das Ergebnis liegt als Sammelband Kadınların Gözüyle Yazmak ve Yaşamak (Schreiben und Leben mit den Augen der Frauen) nun vor. Und wir Leserinnen sind aufgefordert, ihrem Postulat, nur im gegenseitigen offenen Austausch lerne frau sich richtig kennen und zu begreifen, wie die Gesellschaft sie formt, nun unsererseits zu folgen.

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Der Mord nach Vergewaltigung an der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan in der vergangenen Woche in der Türkei hat das Thema Gewalt gegen Frauen wieder ganz oben auf die Agenda gebracht. Tausende, vor allem Frauen, gingen zu Protesten auf die Straße, nicht nur in der Türkei. Statistiken belegen, dass der religiös-konservative Geist der amtierenden Regierung Gewalt an Frauen Vorschub leistet und sich die Opferzahlen in den letzten 12 Jahren drastisch erhöht haben.

Sibel Hürtas, Canina Tak Eden Kadinlar (Iletisim 2014)Die türkische Journalistin Sibel Hürtaş hat sich des Themas bereits vor vier Jahren angenommen, ihre Dokumentation Canına Tak Eden Kadınlar. Kocalarını Neden Ödürdüler? (Frauen, denen der Kragen platzt. Warum brachten sie ihre Männer um?) erschien 2014. Hürtaşs Spezialgebiet sind Frauen- und Menschenrechte sowie religiöse Minderheiten, sie war lange als Gerichtsreporterin tätig. Mit einer Politologin und einem Psychologen besuchte sie 2011 eine Reihe türkischer Gefängnisse mit offenem und geschlossenem Vollzug und nahm 30 Fälle von Frauen auf, die wegen Mordes am Ehemann oder Partner verurteilt sind. Dabei lag ihr Fokus stets auf der Lebensgeschichte der Frauen, die die Betroffenen ihr erzählten. Weiterlesen »

WordShortStoryDay Der 14. Februar ist Valentinstag, klar, aber zudem ist dann Welttag der Kurzgeschichte! Das hat sich bisher noch nicht recht herumgesprochen, nur in der Türkei und bei einigen Türkisch-affinen Buchmenschen außerhalb der Türkei wird dieser Tag gefeiert. Nicht von ungefähr, denn in der türkischen Literatur nehmen Erzählungen und Kurzgeschichten eine herausragende Stellung ein.

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Yavuz Ekinci, Rüyasi Bölünenler, Dogan Kitap 2014 Wie ist das, wenn einer sich nach 18 Jahren aufmacht, seinen verlorenen Bruder zu suchen? Ohne Nachricht, ohne Spur. Und doch weiß Ismail, wo er suchen muss: bei der Guerilla in den kurdischen Bergen jenseits der Grenze … Ismail lebt als politischer Flüchtling in Deutschland, zutiefst einsam und unglücklich, nur äußerlich etabliert. Als der Vater, der ihn einst für den Fortgang des Bruders verantwortlich machte und aus dem Haus warf, im Sterben liegt, lässt er alles stehen und liegen und macht sich auf eine ungewisse Suche. In seinem im August 2014 erschienenen dritten Roman Rüyası Bölünenler (Deren Träume gespalten sind) erzählt der türkisch-kurdische Autor Yavuz Ekinci die „Geschichte der Brüder“, die sonst kaum einer aufgreift: das Schicksal der Zurückbleibenden, der verzweifelt auf Nachricht wartenden Angehörigen, die es in jedem Konflikt, jedem Krieg massenweise gibt, die aber im Gegensatz zu den Aktivisten selten im Licht stehen, weil sie nicht zu Heldengeschichten taugen. Weiterlesen »

koridoru-ac-turkiye-208x300 In Istanbul kamen am Freitag, 17.10.14, namhafte LiteratInnen zusammen, um einen Appell der Solidarität mit Kobanê zu starten. Jede/r TeilnehmerIn war aufgerufen, einen Satz für Kobanê beizutragen. Geleitet wurde die Versammlung maßgeblich von Murathan Mungan und Sema Kaygusuz. Zur Eröffnung sagte Mungan, Ziel sei es, auf die drohende Gefahr eines Völkermords aufmerksam zu machen. „Es geht nicht um ein Volk jenseits der Grenze, die Leute dort sind unser Volk. Sie gehören nicht zu uns, weil sie Kurden, Yeziden oder Sunniten sind, sondern weil sie Menschen sind.“

Folgende von 160 SchriftstellerInnen und DichterInnen unterzeichnete Resolution wurde verabschiedet:

„Öffne den Korridor, Türkei …

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Sami Özbil, Cök Kimseyi Sevmiyordu, Iletisim 2014 Er muss per Hand weiterschreiben. Der Computer, um den er jahrelang hatte kämpfen müssen, an dem er an seinem fünften Roman arbeitete, wurde dem türkischen Autor Sami Özbil als Disziplinarstrafe gesperrt. Özbil sitzt seit 16 Jahren in türkischen Gefängnissen, verurteilt zu inzwischen zweimal lebenslänglich, lange Zeiten isoliert in Einzelhaft, immer wieder mit Kommunikationssperren belegt. Vorwurf: Mitgliedschaft in einer Organisation, die den bewaffneten Umsturz des Systems anstrebe.

Wie liest man einen unter solchen Bedingungen geschriebenen Roman? Klingen die Umstände als Subtext mit? Ist die Suche nach Metaphern, Anspielungen, versteckten Hinweisen legitim, gar angesagt – oder tut man einem literarischen Werk damit Unrecht?

Sami Özbils vierter Roman Çöl Kimseyi Sevmiyordu (Die Wüste liebte keinen) erschien im Frühjahr 2014.

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Nach einer Meldung der linken türkischen Tageszeitung Birgün kamen am 30. August 2014 in Ankara 54 Intellektuelle, Schriftsteller und Vertreter linker Parteien zusammen, um ein Bündnis gegen den Rechtsruck in der Türkei zu bilden. Auf der ersten Versammlung in der Middle East Technical University ODTÜ in Vişnelik/Ankara sei es zunächst um Gedankenaustausch, Einschätzung der aktuellen Entwicklungen in der Region und Diskussion von Vorschlägen zu möglichem gemeinsamen Vorgehen gegangen. Gemeinsame Besorgnis über „die zunehmend zu einer islamistisch-faschistoiden Diktatur mutierende AKP-Regierung und das sogenannte ‚neue Regime’ in der Türkei“ bildet das Grundmotiv der neuen Plattform: Weiterlesen »

Knott-Witte, Mit anderen Worten Gut 13% der Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt sind Übersetzungen. Ein Sammelband bietet nun Gelegenheit, sich einmal mit dem literarischen Übersetzen selbst zu beschäftigen: Mit anderen Worten. Zur Poetik der Übersetzung (Matthes&Seitz 2014). Als „übersetzerische und übersetzungstheoretische Selbstauskünfte“ bilden die sieben Antrittsvorlesungen der Schlegel-Gastprofessur** aus den Jahren 2007-2013 (nebst Einführung und einem Seminarbericht) ein Kompendium literarischen Übersetzens, das FachkollegInnen ebenso wie interessierten Laien Einblicke in die Praxis des Übersetzens gibt. Lebendig dargestellt werfen die Beiträge zudem ungewohnte, weil übersetzungsspezifische Perspektiven auf Texte der Weltliteratur, meist unterfüttert mit historischem und kulturellem, speziell sprachlich-literarischem Hintergrund.

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Yusuf Yesilöz, Soraja Ein Träumer, ein Mensch auf der Suche ist Ferhad, der Held und Ich-Erzähler in Yusuf Yeşilöz’ neuem Roman „Soraja“. Der kurdisch-schweizerische Autor und Dokumentarfilmer Yeşilöz beweist auch mit seinem zehnten Buch sein Faible für leise, unaufgeregte Klänge, für menschliche Zwischentöne und so kritische wie liebevoll genaue Beobachtung beider Kulturen, der türkisch-kurdischen wie der schweizerisch-westeuropäischen. „Ich wusste, dass ich ein Mensch auf der Suche war, wusste aber nicht mehr, seit wann“, bekennt sein Held …

weiterlesen bei migazin: http://www.migazin.de/2014/07/18/ein-dauerheimatsuchender-traeumer-im-aufbruch/

Adatepe_Kein Frühling für Bahar Sira alias Birte Mirbach hatte bei unserer Blogger-schenken-Lesefreude-Aktion 2014 meinen Roman Kein Frühling für Bahar gewonnen. Nun hat sie ihn gelesen und eine tolle Besprechung dazu geschrieben: Weiterlesen »

Adatepe, Kein Frühling für BaharMohn und Tulpen oder auch Blut, Hamburg und Berlin, Abschottung und Distanz, trostlos und doch voller Trotz … Ein Cover also, zu dem man gleich einen neuen Roman schreiben könnte! Die meisten von euch haben das Mädchen auf dem Cover mit der Titelheldin Bahar gleichgesetzt. Wie spannend! Wenn Bahar etwas mehr von dem Covergirl gehabt hätte, wäre sie womöglich noch am Leben … Also doch ein Krimi? Ja und nein … Weiterlesen »