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Archive for the ‘chinesische Literatur’ Category

Xu Xings Roman Und alles, was bleibt, ist für dich ist eine Art Road-Geschichte mit Anklängen an den europäischen Schelmenroman, denn der Autor lässt seinen in vielen Zügen autobiographischen Ich-Erzähler ständig unterwegs sein, auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Liebe und Freundschaft, ohne Chance jedoch, jemals anzukommen. Xu stilisiert das Ganze nicht, wie zu erwarten wäre, zu einem „Der Weg ist das Ziel“. Ganz im Gegenteil, Welt, Menschheit, Systeme, alles, alles bleibt ihm fremd, nirgends füllt er mehr als seinen Magen, und auch den nur mit Mühe. Xus erster Roman erinnert an Kerouacs On the road mit der lyrischen Rhetorik der Verzweiflung des Ferdinand Bardamu in Célines Reise ans Ende der Nacht.

Es geht los mit einer Radtour durch Südchina, zunächst allein, dann mit Freund Xi Yong. Schon auf dieser Tour zieht der Ich-Erzähler sein Fazit: „Das einzige, was für mich außer Zweifel steht: Es bleibt einem nichts, egal, wo man ist.“ Doch wieder will er „losziehen, auf die Suche nach dem Sinn meines Lebens“. Als Xi Yong seine Anstellung verliert, angesteckt von des Freundes Vagabundenleben, organisiert die Mutter einen Job für ihn: Bei einer „Großtante“ in einem China-Restaurant in Deutschland. Xi geht dorthin und lässt sich monatelang nach Strich und Faden ausbeuten, bevor er mit den Ersparnissen der Tante durchbrennt – und den Freund drängt, zu ihm kommen. Der Erzähler beantragt Pass und Visum und nutzt die Zeit für einen Besuch in Tibet, „wo er mehr über Einsamkeit erfährt, als ihm lieb ist“. Er erkennt, die letzten Jahre „zwischen Traum und Trunkenheit, Tod und Leben“ verbracht zu haben. Die Pekinger Künstlerszene entlarvt er kurzerhand als pseudoambitionierten Sumpf gescheiterter Existenzen. Dann endlich reist er nach Deutschland, kommt in Frankfurt an, wo Freund Xi und dessen Freund Stirblangsam (ein deutscher Sinologe, dessen Name Manders chinesisch ausgesprochen „stirb langsam“ bedeutet) ihn abholen. Er kommt bei Xi unter. Der geht zwei Jahre lang jeden Morgen fröhlich Brötchen holen, bis die blonde Bäckersfrau offensichtlich schwanger ist und damit Xi in schlimmste Depressionen stürzt. Der Erzähler arbeitet in einer Fabrik und erlebt das typische Gastarbeiterdasein: „Pechvögel aus aller Welt“ trifft er hier. Zu dritt fährt man nach Berlin, vor dem Mauerfall, verpasst jedoch auch hier das „wahre Leben“. Als Xi Yong bei einem Unfall ums Leben kommt, hält den Erzähler nichts mehr in Deutschland. Im Sinne des „Ennui“ vom Westen gelangweilt und enttäuscht, geht er nach Peking zurück. Doch auch hier gelingt es ihm nicht, Fuß zu fassen. „Abschaum sind wir“, ist seine so bittere wie zynische Bilanz. Die schönen Dinge und Plätze findet er immer schon vergeben.

In China hat Xu Xing, der sich zugleich als Dokumentarfilmer und Videokünstler einen Namen machte, nicht erst seit diesem Roman Kultstatus. Sein Stil, avantgardistisch, wohltuend selbstironisch, mit nie versiegendem Sinn für Humor, kritisch und doch gewitzt sich weigernd, Stellung zu beziehen, gilt der jüngeren Kulturszene als Vorbild.

In ihrem Nachwort beschreibt Irmy Schweiger Xu als „gefeiert und verfemt“. Er zeige auf, dass es multiple Weltsichten und Lebensformen gibt, schaffe aber zugleich den Typus eines Nichtsnutzes und Herumtreibers, der „weder zur Revolution noch zur gesellschaftlichen Modernisierung“ tauge. „Unterwanderungen einer aufklärerischen Vernunft“ nennt sie seine Texte.

Xu lässt sich und seine Protagonisten treiben, getreu der taoistischen Maxime der Indifferenz und des Nichthandelns. Sein Verzicht auf Pathos und Engagement, seine sympathische Offenheit den eigenen Schwächen gegenüber verbunden mit „Frechheit und Witz, gepaart mit der Weisheit der Ahnen,“ machen den chinesischen Schelm zur vergnüglichen Lektüre, die ganz nebenbei eine Menge Klischees über China, Chinesen und chinesische Literatur über den Haufen wirft.

> Xu Xing: Und alles, was bleibt, ist für dich. Aus dem Chinesischen von Irmy Schweiger und Rupprecht Mayer. Mit einem Nachwort von Irmy Schweiger. München: SchirmerGraf Verlag 2004 (Taschenbuch bei Fischer 2005).

> Interessante Links zum Thema: Xu Xing gehörte nicht zur offiziellen chinesischen Delegation auf der Frankfurter Buchmesse, seine jüngeren Werke können in China derzeit nicht erscheinen. Die taz führte im Vorfeld der Buchmesse ein Interview mit ihm.

Tinius las Xu Xings Roman schon 2007.

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„Luo Lingyuans kühle Texte sind aufklärende zeitgeschichtliche Dokumente, die ins Diplomatengepäck jedes China-Enthusiasten gehören“, schrieb der Focus.

Kühl sind sie tatsächlich, nüchtern, die Sprache ist schlicht, sparsam fast. Es geht Luo offensichtlich nicht um ein sprachliches Kunstwerk, sondern ausschließlich um den Inhalt.

Hier erzählt sie vom Aufstieg und Fall Dai Xingkongs, der sich mit seiner Firma Tenglong mit den zwei Standbeinen Computertechnologie und traditionelle Medizin zum milliardenschweren Unternehmer hocharbeitet. Dabei kommen ihm seine Aufrichtigkeit, sein demokratischer Ansatz den MitarbeiterInnen gegenüber ebenso zustatten wie die Ausnahmekonditionen der Sonderwirtschaftszone Shenzhen. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen zwei Frauen, die bildhübsche Jian Roula, eine emanzipierte, raffinierte Frau, die ihre weiblichen Reize gezielt und interessengeleitet einsetzt, und Tang Anqi, die erst langsam in ihre neue Rolle in der Werbeabteilung bei Tenglong hineinwächst, lange ablehnt, ihre Weiblichkeit einzusetzen, im entscheidenden Moment sich aber als starke Frau erweist.

Als Dai ein, zwei Fehlentscheidungen trifft und der Bürgermeister, sein Freund und Förderer, ausgewechselt wird, beginnt der Absturz. Korruption, behördliche Willkür und widrige Umstände (ausufernde Produktpiraterie, nicht nachlassende Regenfluten u.ä.) tun ein Übriges. Zum Verhängnis wird der Bau der neuen Firmenzentrale. Der Boden erweist sich als nicht ausreichend tragend, Dai aber vertraut auf sein Glück, plant 30 Etagen mehr, verkauft Luxuswohnungen in schwindelnder Höhe schon vor dem Bau. Eine gelungene Metapher für ein zu hohes Wagnis. Nicht der Wolkenkratzer stürzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen, sondern Dais Unternehmen und Familie.

Ein Buch über Loyalität, Freundschaft und Liebe, Selbstüberschätzung, Korruption, die allgegenwärtig und unumgänglich scheint, und Konkurrenz und natürlich in erster Linie über die schwierige, dafür umso rasantere Entwicklung Chinas vom dirigistischen Staatswirtschaftsmonopolisten zur Supermacht der freien Marktwirtschaft. Es müssen Späne fallen, wo gehobelt wird. Natürlich gelingt Dai nach dem totalen Absturz auch der Wiederaufstieg.

Luo präsentiert mit sezierendem Blick Menschen im Wandel zur Moderne mit Stärken und, vor allem, Schwächen. Dass Glück, das Dai und Anqi am Ende ereilt, scheint die Autorin sich schweren Herzens abgerungen zu haben, ein Zugeständnis an die Leserin vermutlich.

Luo lebt seit 1990 in Berlin, schreibt auf Deutsch, und erhielt 2007 den Chamisso-Förderpreis. Ihre klare, schonungslose, fast emotionslos scharfe Analyse der aufstrebenden chinesischen Boom-Gesellschaft mag dieser Position geschuldet sein, die ihr den Blick von Außen erlaubt und zugleich Kenntnis von den Erwartungen der westlichen Leserschaft gibt.

Luo gehört zu jenen, die helfen, ein Stück mehr vom modernen China zu verstehen. Mit ihren in deutscher Sprache in Deutschland verfassten Büchern ist sie zugleich ein Paradebeispiel für zeitgenössische interkulturelle Literatur beachtlichen Niveaus, wie sie seit Jahren von AutorInnen mit Migrationshintergrund auch hierzulande geschaffen wird.

Luo Lingyuan: Die Sterne von Shenzhen. München 2008.

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Im Dorf Fengyang wird dem Grundbesitzer Liu Laoxia ein zweiter Sohn geboren, dessen Vater offenbar ein anderer ist: der Verwalter Chen Mao.

Der Fokus liegt zunächst auf Yanyi, dem älteren, aber geistesgestörten Sohn Lius, der nur zwei Sätze spricht: „Ich habe Hunger“ und „Ich bring dich um“. Hefeklöße versteckt man ebenso vor ihm wie Messer. Irgendwann hat er doch eins in der Hand und geht damit ausgerechnet auf den jüngeren Bruder Chencao los. Der ist frisch vom Internat heimgekehrt und leidet schwer am allgegenwärtigen Mohnduft. Denn neben Reis ist es längst der Schlafmohn, das Opium, mit dem Familie Liu ihren Wohlstand sichert. Doch nicht Yanyi bringt den Bruder um, sondern dieser ihn. Er fasst es kaum, wie er auch kaum wahrnimmt, dass seine Schwester den Banditen ausgeliefert wird, um ihn selbst zu retten. Halb benommen ist er ebenso, als bald darauf der alte Liu ihm das Gut übergibt. Statt es mit eiserner Hand zu führen und zu mehren wie seine Vorfahren, verteilt er das Land an Pächter, nimmt halbwegs die kurz darauf einsetzende Landreform vorweg. Sein leiblicher Vater Chen Mao steht längst auf Seiten der Revolutionäre, auch wenn es ihm nur um den eigenen Vorteil geht, und um Frauen. Chencao ahnt, dass dieser verhasste Mann sein Vater ist, und doch zögert er nicht, als die Schwester ihm befiehlt: „Ich gehe Opium pflücken und du tötest Chen Mao.“

Mord, Gewalt, Verrat prägen die Erzählung vom Niedergang der Familie Liu. Su Tong schreibt Die Opiumfamilie halbwegs in Form eines persönlichen Berichts, es gibt da diesen Ich-Erzähler, der die ganze Geschichte offenbar später von Lu Fang erfährt. Lu war 1950 als Brigadeleiter in Fengyang im Einsatz.

Holzschnittartig zeichnet Su das Leben seiner Protagonisten. Kaum wissen sie selbst, was sie tun, wie ihnen geschieht: die Strenge des Grundbesitzers, die Willkür des Banditen Jiang Long, die revolutionären Umwälzungen 1949/50. Ein hartes Buch, das verstört und zugleich empört: Wie können Menschen einander solche Dinge antun? Su Tongs Erzählweise lässt alles zwangsläufig und unausweichlich erscheinen. Wie seine Protagonisten ihrem Schicksal nicht ausweichen können, es merkwürdigerweise auch gar nicht versuchen, kann die Leserin den Band kaum vor dem letzten Wort aus der Hand legen. Ob den Seiten des Romans womöglich der Opiumduft, schwer und betäubend durchzieht er das ganze Buch, entströmt ist?

Su Tong: Die Opiumfamilie. Deutsch von Peter Weber-Schäfer. Reinbek: Rowohlt, 1998 (Taschenbuch 2000).

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Xinran, Die namenlosen TöchterAls „Essstäbchen“ bezeichnen die Leute auf dem Land abwertend Töchter, erst ein Sohn, ein „Dachbalken“, verschafft der Familie Ehre und sorgt dafür, dass die Eltern stolz ihren Platz in der lokalen Hierarchie einnehmen können. Nicht irgendwann in grauer Vorzeit, nein, das China von 2001 ist der Ausgangspunkt von Xinrans Roman Die namenlosen Töchter. Als Sanniu, „Drei“, die dritte der sechs Töchter der Familie Li, die die Kinder der Einfachheit halber durchnummeriert, gegen ihren Willen verheiratet werden soll, bittet sie Onkel Zwei, sie in die Stadt mitzunehmen. In Nanjing am Markt unter der großen Weide bringt der für seine Vermittlungskünste berühmte Guan Buyu sie auf Anraten der Tofu-Frau, die neu vom Land kommende Mädchen gern unter ihre Fittiche nimmt, auch sogleich im Restaurant seines Bruders unter. Drei blüht auf und bringt im nächsten Jahr die beiden jüngeren Schwestern mit in die Stadt: Fünf, ohne jede Schulbildung und im Dorf als dumm abgetan, und Sechs, die einzige Mittelschulabsolventin des Dorfes mit dem hehren Ideal, Bibliothekarin zu werden. Fünf landet im Wasserkulturzentrum, einer therapeutischen Einrichtung, wo sie sich trotz mangelnder Bildung durch ausgeprägte intuitive Fähigkeiten und extremen Lernwillen bald unentbehrlich macht. Sechs wird Bedienung und Haustochter im oppositionellen Literaturcafé „Der glückliche Narr“, wo sie lesen kann, soviel sie will, und durch den Kontakt mit ausländischen Besuchern, den „Langnasen“, sogar beginnt Englisch zu lernen …Xinran, Die namenlosen Töchter (Taschenbuch)

Die zunächst fast naiv anmutende Geschichte von drei jungen Bauernmädchen, die ihr Glück in der Stadt suchen – und finden, mutiert im Handumdrehen zu einem Lehrstück nicht nur über die moderne chinesische Gesellschaft außerhalb trendiger Metropolen, die Verwerfungen zwischen Stadt und Land, sondern auch über staatlich verordnete Um- und Neuschreibung von Geschichte. Zentrales Thema aber bleibt die Frage, wie Menschen zu allen Zeiten versuchen zu überleben, durchzukommen, sich den jeweiligen Umständen anzupassen und das Beste aus ihrem Leben zu machen.

Drei, Fünf und Sechs sind keine fiktiven literarischen Gestalten, Autorin Xinran lernte im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit zahlreiche Mädchen aus armen Dörfern kennen. Als die Bauern mit der Wirtschaftsreform in den 80ern die Erlaubnis erhielten, sich andernorts, auch in den Städten Arbeit zu suchen, wagten immer mehr „Essstäbchen“-Mädchen den Aufbruch. Xinran ließ sich viele Lebensgeschichten erzählen, drei davon verdichtete sie zu der Erzählung der drei Schwestern in Nanjing.

Ist es dem weiblichen Blick geschuldet, dass dieses Buch Nächstenliebe, Solidarität, zwischenmenschliche Verantwortung und Ehrlichkeit aus allen Poren atmet, die Erzählungen und Romane männlicher zeitgenössischer chinesischer Autoren meist schmerzlich vermissen lassen? In einem Nachwort berichtet die seit 1997 in England lebende Xinran davon, wie sie sich aufmacht, den Spuren der realen Mädchen weiter zu folgen: Drei ließ sich, nach einer enttäuschten Liebe in der Stadt, an eine gute Partie im Dorf verheiraten, Fünf wird vom Wasserkulturzentrum auf Fortbildungskurse geschickt, Sechs spart auf ein Auslandsstudium.

Der Roman aber endet mit dem absoluten Triumph der Töchter. „Könnte es sein, dass unsere Stäbchen-Mädchen in Zukunft unser Dach tragen?“, fragt der Vater. Auf diese Worte hatten die Töchter ihr ganzes Leben gewartet …

Xinran: Die namenlosen Töchter. Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. München 2007 (Taschenbuch 2009).

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Su Tong, ReisWelch ein Cover! Die unbedarfte Leserin erwartet eine Liebesgeschichte, Bekenntnisse einer Dame aus der chinesischen Halbwelt, ganz sicher aber eine Frau im Mittelpunkt des Romans …

Su Tong, Autor der insbesondere in der Verfilmung zu Weltruhm gelangten Erzählung „Rote Laterne“, bietet in seinem Debütroman Reis von 1992 nichts von alledem. Su erzählt in erbarmungsloser Offenheit die erschreckende Geschichte vom Aufstieg des Waisenjungen Wulong, dem sein unzerbrechlicher Selbstbehauptungswille eine geachtete gesellschaftliche Position als Schwiegersohn und bald Inhaber einer mäßig gehenden Reishandlung verschafft. Und parallel dazu eine kriminelle Karriere, mit der er zu Geld und Achtung kommt. Hunger ist seine Motivation, Hunger nach Speise zunächst, Reis vor allem, nach Anerkennung, nach Sex, sehr bald nach Rache. Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, ja, auch nur gegenseitige Unterstützung oder Achtung innerhalb der Familie, Solidarität, all das sucht die Leserin vergeblich in diesem schonungslosen Portrait einer chinesischen Kleinstadt nahe Shanghai. Ein Kampf ums Überleben, dessen Auslöser nicht in erster Linie Armut ist. Elend und hungrig kam Wulong in der Stadt an, am Ende fährt er als gemachter Mann im eigens gemieteten Waggon voller Reis in sein Dorf zurück, zum Krüppel geworden, zum Mörder, als Ehemann und Vater, den nichts mit seiner Familie verbindet. Der mitreisende Sohn bricht zu „guter“ Letzt Su Tong, Midem sterbenden Vater die Goldzähne aus dem Kiefer … Erträglich wird das alles nur durch die ungeheure Sprachkraft Sus.

Auch Reis ist längst verfilmt – und zweifellos eines der großen Werke der modernen chinesischen Literatur. Jahrelang war ich an diesem Buch vorbeigelaufen, das Cover versprach eine mir wenig verheißungsvolle Lektüre. Neutrale Cover sind im deutschsprachigen Raum für Belletristik derzeit kaum angesagt. Das chinesische Original hält hier das Monopol.  Auch das französische „orientalisiert“, ästhetisiert und minimalisiert aber zugleich. Die beiden englischen Cover dagegen bieten Bezug zum Thema. Su Tong, RiceSu Tong, rice, GoldblattWarum für die deutsSu Tong, Rizchsprachige Ausgabe ein derart irreführendes Cover gewählt wurde, bleibt Rowohlts Geheimnis. Immerhin behielt das Buch weltweit den prägnanten, einem grell aufblitzenden Schlaglicht gleichenden Titel Reis bzw. Rice, Riz (mi – im Mandarin-Original). Die unterschiedlichen Cover aber sprechen Bände.

Su Tong: Reis. Deutsch von Peter Weber-Schäfer. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998.

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Auch nach dem chinesischen Ehrengast-Auftritt auf der Frankfurter BuFamilienname Wangchmesse steht offenbar so manche/r noch mit chinesischen Namen auf Kriegsfuß. Frau Lingyuan und Herr Yan oder Frau Luo und Herr Mo? Die Aussprache sei hier außen vor gelassen (Hinweise dazu gibt es hier). Ärgerlich für die Leserin aber ist es, wenn BibliothekarInnen und BuchhändlerInnen unsicher in der Identifikation von Vor- und Familiennamen sind und in ein und derselben Einrichtung chinesische AutorInnen mal unter dem Vor-, mal unter dem Familiennamen eingeordnet sind.

Dabei ist es ganz einfach: Der Familienname steht im Chinesischen vorn, es folgt der individuelle Name bzw. Vorname und ggfs. an dritter Stelle der Generationsname.

Luo Lingyuan ist dementsprechend Frau Luo und unter „Luo“ im Regal einzuordnen, auch wenn sie seit 1990 in Deutschland lebt und 2007 den Adelbert-von-Chamisso-Preis erhielt. Das ändert noch lange nicht ihren Familien- in einen Vornamen.

Yu Hua hoffe ich unter Y zu finden, nicht unter H. Sein Buch Brüder ist noch so brandneu, dass es unter Neuerscheinungen steht und BuchhändlerInnen die Qual der Einordnungsentscheidung noch vor sich haben.

Natürlich gibt es Chinesen, die für uns westliche AusländerInnen ihre Namen im Vorhinein anpassen, meist mit einem westlichen Vornamen versehen, wie Emily Wu oder Philip Chen – stopp! Letzterer ist kein Autor, sondern Mitarbeiter vom Fengshui-Detektiv C.F. Wong in den Büchern von Nury Vittachi.

Vittachi wiederum schreibt Englisch und demonstriert eine der prominenten Ausnahmen, ist er doch ein „chinesischer Autor“, der gar kein Chinese ist, sondern aus Sri Lanka stammt. Wie wir es gewohnt sind, ist sein zweiter Name der Familienname, Nury aber der Vorname.

Zu kompliziert? Dann hier noch den einfachsten Fall: Es wird nur ein Name geführt, sei es als Pseudonym oder Verkürzung wie bei Xinran. Die Autorin steht notgedrungen unter X. Ihre Bücher erscheinen nur unter diesem Namen, der eigentlich ihr Vorname ist, heißt sie doch mit vollem Namen Xue Xinran.

Ebenso einfach ist es bei A Lai bzw. Alai. Sein Name besteht im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen (阿来), was auf einen Familien- (A) und einen Vornamen (Lai) hindeutet. In allen westlichen Sprachen ist daraus Alai geworden. Dieser tibetisch-chinesische Autor ist, wie man es auch dreht und wendet, stets unter A zu finden.

Außerhalb der Literatur wissen wir alle, dass Ban Ki-moon mit Familiennamen Ban heißt. Also verhält es sich mit der Namensreihenfolge im Koreanischen wie im Chinesischen.

Liebe BibliothekarInnen und BuchhändlerInnen und alle, die Ihr Bücher einsortiert, habt Erbarmen mit uns Lesehungrigen auf der Suche nach chinesischen AutorInnen und ordnet sie konsequent unter dem Familiennamen ein!

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